Wie steht es im Nachbarland ums Steuersystem, wie funktioniert eine Krankschreibung und welche Rechte habe ich als Arbeitnehmer? Diese Fragen beantwortet der deutsch-niederländische Gewerkschaftsrat Rhein-Ijssel Grenzpendlern. Am Montag, 31. März fand in Kleve eine große Informationsveranstaltung statt.
Leiharbeiter, die bei Krankheit Arbeitsplatz und Unterkunft verlieren. Denen die Obdachlosigkeit droht, weil ihre Arbeitgeber die Unterschiedlichkeiten von Rechtssystemen im Grenzgebiet schamlos ausnutzen. Deutsche, die sich im niederländischen Steuersystem verlieren. Niederländer, die im deutschen Behörden- und Bürokratiedschungel den Überblick verlieren. Für all diese Menschen, die den deutsch-niederländischen Arbeitsmarkt in der Region prägen, ist der Interregionale Gewerkschaftsrat Rhein-Ijssel da, in dem sich Gewerkschaften aus beiden Ländern zusammengeschlossen haben, um Arbeitnehmer zu beraten.
Am Montag, 31. März, haben die Gewerkschafter*innen von 18.30 bis 20.15 Uhr im Forum der Euregio Rhein-Waal an der Emmericher Straße in Kleve übers Arbeiten im Nachbarland und bestehende Beratungsangebote aufgeklärt. „Wir sind ein Anlaufpunkt für alle Menschen, die grenzüberschreitend arbeiten“, sagte Rolf Wennekers vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) im Rahmen einer Pressekonferenz. Man hat Fragen zur Sozialversicherung, zu Steuern, Krankschreibungen oder zum Arbeitsrecht beantwortet. „Man muss nichts machen, nichts mitbringen. Und es gibt keine doofen Fragen. Wir wollen ein niedrigschwelliges Angebot schaffen“, sagte Michael Schneider vom DGB. „Und die Erfahrung lehrt, dass das Angebot sehr gut angenommen wird.“ Die Arbeitnehmerfreizügigkeit in der Europäischen Union biete vielen Menschen große Chancen, aber es gebe auch Risiken und bei vielen Menschen offene Fragen – da wolle man aufklären.
Hans Theunissen von der niederländischen Gewerkschaft FNV sieht unverändert große Missstände im Bereich der Arbeitsmigration. Osteuropäische Arbeiter, die in niederländischen Fleischfabriken tätig, aber in Deutschland untergebracht sind, wüssten häufig nicht über ihre Rechte Bescheid, zudem gebe es eine Sprachbarriere. „Wir haben ein großes Netzwerk, um diesen Menschen zu helfen“, sagte Theunissen. Man biete Rat, vermittele aber auch weiter an andere Institutionen, etwa an das Büro „Arbeit und Leben“ in Emmerich, wo Mitarbeiter tätig sind, die Rumänisch oder Polnisch sprechen.
Nicht wenige Beschäftigte hätten Angst, die eigenen Rechte selbstbewusst gegen Arbeitgeber durchzusetzen. Daher sei es wichtig, über die Arbeit von Gewerkschaften aufzuklären, Präsenz zu zeigen. „Leider kommen viele Menschen erst dann zu uns, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, sagte Wennekers. Das Thema Krankschreibungen ist ein wichtiges. So weise man bei Beratungsveranstaltungen etwa darauf hin, dass in den Niederlanden (anders als in Deutschland) ein Gewerkschaftsvertreter zur Untersuchung beim Betriebsarzt mitkommen darf, um beratend zur Seite zu stehen. „Bevor man in einem anderen Land eine Arbeit aufnimmt, sollte man sich über die wesentlichen Dinge informieren“, sagte Schneider.