Mit Peter Gasse verliert die IG Metall einen herausragenden Gewerkschafter, einen engagierten Kämpfer für die Interessen der Beschäftigten und einen Menschen, der die Entwicklung der Arbeitswelt, der Mitbestimmung und der Gewerkschaftsarbeit in Duisburg und Nordrhein-Westfalen über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt hat.
Geboren am 17. Oktober 1952 in Duisburg, war sein Lebensweg von Beginn an eng mit der industriellen Geschichte unserer Stadt verbunden. Nach seinem Hauptschulabschluss begann er am 1. September 1967 eine Ausbildung zum Starkstromelektriker bei den Mannesmann-Hüttenwerken in Duisburg. Nach seiner Ausbildung arbeitete er als Facharbeiter und engagierte sich bereits früh als Jugendvertreter und Betriebsratsmitglied für seine Kolleginnen und Kollegen. Die Erfahrungen dieser Jahre und seine tiefe Verwurzelung in der Arbeitswelt des Ruhrgebiets prägten sein Verständnis von Solidarität, Mitbestimmung und sozialer Gerechtigkeit nachhaltig. Seit 1967 war er Mitglied der IG Metall.
1975 wechselte Peter Gasse als Gewerkschaftssekretär zur IG Metall Duisburg. Dort begann eine beeindruckende gewerkschaftliche Laufbahn, die ihn über verschiedene Funktionen und Verantwortungsbereiche hinweg zu einer der prägenden Persönlichkeiten der IG Metall in Nordrhein-Westfalen machte. Als Tarifsekretär der Eisen- und Stahlindustrie setzte er sich für gute Tarifverträge und sichere Beschäftigung ein. 1990 wurde er Geschäftsführer und Erster Bevollmächtigter der damaligen IG Metall-Verwaltungsstelle Duisburg. In einer Zeit tiefgreifender wirtschaftlicher und industrieller Veränderungen führte er die Duisburger IG Metall mit Weitblick, Verlässlichkeit und großer Nähe zu den Beschäftigten.
Im Juli 2000 übernahm Peter Gasse die Leitung des IG Metall-Bezirks Nordrhein-Westfalen. Als Bezirksleiter vertrat er die Interessen von Hunderttausenden Beschäftigten und gestaltete die gewerkschaftspolitischen Debatten in unserem Bundesland entscheidend mit. Überall dort, wo es um gute Arbeit, industrielle Perspektiven, Mitbestimmung und soziale Verantwortung ging, war seine Stimme gefragt und geschätzt.
Seiner Heimat, der Stahlindustrie und den Menschen in Duisburg blieb er dabei stets eng verbunden. Bereits von 1990 bis 2004 gehörte er als Vertreter der Arbeitnehmer dem Aufsichtsrat der Hüttenwerke Krupp Mannesmann an. Im Jahr 2004 wechselte er schließlich als Geschäftsführer Personal und Arbeitsdirektor zur HKM. Bis zu seinem Ausscheiden Ende 2016 prägte er die Entwicklung des Unternehmens entscheidend mit. Er kannte die Hütte wie kaum ein anderer. Für Peter Gasse war HKM nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern ein Stück Heimat. Er verstand die Menschen, die Kultur und die besondere Bedeutung der Stahlindustrie für Duisburg und die gesamte Region.
Wer Peter Gasse begegnete, spürte schnell, dass ihm die Menschen wichtiger waren als Funktionen und Titel. Er war ein Mensch mit Haltung, Herz und Humor. Er hörte zu, nahm Anliegen ernst und blieb auch in schwierigen Situationen nahbar. Sein soziales Verständnis entstand nicht aus einer Pflicht heraus, sondern war Ausdruck seiner Persönlichkeit. Er war überzeugt, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung zusammengehören und dass Unternehmen eine Verantwortung für Beschäftigte, Nachbarschaften und die Region tragen.
Peter Gasse war ein leidenschaftlicher Verfechter von Mitbestimmung und Solidarität. Gleichzeitig blickte er stets über den Tellerrand der Arbeitswelt hinaus. Er setzte sich für Integration, gesellschaftlichen Zusammenhalt und das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen ein. Dabei gelang es ihm immer wieder, Menschen und Gruppen miteinander zu verbinden, die sonst nicht selbstverständlich zueinander finden: Beschäftigte und Nachbarschaften, Kirchen und Vereine, soziale Einrichtungen, kulturelle Initiativen, Ehrenamtliche und Unternehmen.
Besonders sichtbar wurde dieses Engagement in zahlreichen Projekten, deren Wirkung bis heute spürbar ist. Peter Gasse war Initiator der Barbarafeier, die seit 2005 als ökumenischer Gottesdienst zu Ehren der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute und Hüttenleute, gefeiert wird. Darüber hinaus prägte er die Nachbarschaftsdialoge im Duisburger Süden und schuf damit Räume für Begegnung, Vertrauen und den offenen Austausch auf Augenhöhe. Die Förderung junger Menschen, sein Einsatz für Respekt und Toleranz sowie sein Wirken in sozialen und kulturellen Netzwerken zeigen eindrucksvoll, wie weit sein Engagement über seine beruflichen Aufgaben hinausreichte.
Für dieses außergewöhnliche gesellschaftliche Wirken wurde Peter Gasse 2014 mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Diese Ehrung würdigte nicht nur seinen Einsatz für Arbeit und Mitbestimmung, sondern ebenso sein großes Engagement für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Region.
Mit seinem Tod verliert die IG Metall einen Kollegen und Freund, der bleibende Spuren hinterlassen hat. Sein Rat, seine Erfahrung, seine Menschlichkeit und seine klare Haltung werden uns fehlen. Viele Kolleginnen und Kollegen verbinden mit ihm wichtige gewerkschaftliche Erfolge, intensive Diskussionen, persönliche Begegnungen und gemeinsame Kämpfe für die Interessen der Beschäftigten.
Peter Gasse hat die IG Metall, die Stahlindustrie und die Stadt Duisburg mitgeprägt. Sein Wirken wird in unserer Organisation, in den Betrieben und in vielen gesellschaftlichen Initiativen weiterleben.
Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden besonders bei seinen Söhnen David und Marco, seinen Enkelinnen sowie seiner gesamten Familie. Ihnen gilt unser tief empfundenes Mitgefühl. Wir wünschen ihnen Kraft, Zusammenhalt und Zuversicht für die kommende Zeit.
Die IG Metall Duisburg-Dinslaken wird Heinz-Peter „Peter“ Gasse stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Glück auf, Peter. Wir werden Dich nicht vergessen.