Die Tarifrunde 2026 der Metall- und Elektroindustrie ist gestartet. Für rund 3,8 Millionen Beschäftigte geht es in den kommenden Monaten um Einkommen, Beschäftigungssicherung und die Zukunft guter Arbeitsbedingungen. Die IG Metall macht dabei deutlich: Längere Arbeitszeiten sind keine Antwort auf die Herausforderungen der Industrie.
Industrie im Wandel: Beschäftigte dürfen nicht die Rechnung zahlen
Die Metall- und Elektroindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Während Teile der Automobilindustrie und des Maschinenbaus mit Auftragsrückgängen, Verlagerungsplänen und Beschäftigungsabbau kämpfen, verzeichnen andere Branchen wie Luft- und Raumfahrt, Halbleiterindustrie, erneuerbare Energien und Rüstung weiterhin gute Geschäfte.
Vor diesem Hintergrund haben die Tarifkommissionen der IG Metall bundesweit die Tarifbewegung 2026 eröffnet. Im Oktober beginnen die Verhandlungen, nachdem die Entgelttarifverträge zum 31. Oktober auslaufen. Sollte es erforderlich werden, sind ab dem 1. November Warnstreiks möglich.
"Mehr Stunden sind keine Lösung"
Bereits jetzt versuchen Arbeitgeberverbände und Unternehmensvertreter erneut, längere Arbeitszeiten als Antwort auf wirtschaftliche Probleme ins Spiel zu bringen. Die IG Metall widerspricht dieser Forderung entschieden.
Die Fakten sind eindeutig:
- Mehr Arbeitszeit zum gleichen Entgelt führt häufig zu weniger Beschäftigung und erhöht den Druck auf Arbeitsplätze.
- Längere Arbeitszeiten erhöhen Belastungen, Stress und gesundheitliche Risiken.
- Die tarifliche 35-Stunden-Woche ist seit Jahrzehnten ein Erfolgsmodell für Produktivität, Innovation und gute Arbeit.
- Motivation entsteht durch faire Entlohnung, gute Arbeitsbedingungen und Mitbestimmung, nicht durch unbezahlte Mehrarbeit.
- Innovation braucht Zeit für Erholung und Kreativität statt permanenter Verdichtung der Arbeit.
Gerade angesichts der aktuellen Krisen in einzelnen Branchen braucht es deshalb Instrumente zur Beschäftigungssicherung und nicht eine schleichende Aushöhlung tariflicher Standards. Die IG Metall hat in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass Arbeitszeitverkürzungen und tarifliche Regelungen zur Beschäftigungssicherung wirksame Antworten auf wirtschaftliche Unsicherheiten sein können.
35-Stunden-Woche bleibt rote Linie
Die Debatte um die Arbeitszeit dürfte eines der zentralen Themen der Tarifrunde 2026 werden. Arbeitgeber drängen zunehmend auf weitere Flexibilisierung und längere Arbeitszeiten. Die IG Metall hingegen verteidigt die tarifliche 35‑Stunden‑Woche als Kernbestandteil guter Arbeit und als gesellschaftspolitische Errungenschaft.
Für die Beschäftigten bedeutet die 35‑Stunden-Woche nicht nur mehr Lebensqualität, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und persönlicher Gesundheit. Gerade in Zeiten steigender Arbeitsverdichtung und zunehmender psychischer Belastungen ist dieser Schutz wichtiger denn je.
Tarifpolitik für Kaufkraft und Zukunftssicherung
Die Tarifrunde findet in wirtschaftlich schwierigen Zeiten statt. Gleichzeitig haben zahlreiche Großunternehmen weiterhin hohe Gewinne erzielt. Allein die DAX-Unternehmen schütteten zuletzt über 55 Milliarden Euro an ihre Aktionärinnen und Aktionäre aus. Die Beschäftigten erwarten daher zu Recht, dass sie an der wirtschaftlichen Entwicklung beteiligt werden und ihre Kaufkraft gestärkt wird.
Für die IG Metall Duisburg-Dinslaken steht fest:
Die Transformation der Industrie kann nur mit den Beschäftigten gelingen. Wer Zukunft, Innovation und Industriestandorte sichern will, muss in die Menschen investieren, nicht ihre Arbeitszeit ausweiten.
Gemeinsam stark in die Tarifrunde
In den kommenden Wochen werden die Beschäftigten in den Betrieben über die Forderungen zur Tarifrunde diskutieren. Die regionalen Tarifkommissionen beschließen im September ihre Forderungen, bevor der IG Metall-Vorstand die bundesweite Tarifforderung verabschiedet.
Die IG Metall Duisburg-Dinslaken ruft alle Kolleginnen und Kollegen auf, sich aktiv an den Diskussionen zu beteiligen:
Für sichere Arbeitsplätze. Für gute Entgelte. Für gesunde Arbeitsbedingungen. Und für die Verteidigung der tariflichen Arbeitszeit.
Mehr Stunden sind keine Lösung. Gute Tarifverträge schon.