AKTIONSTAG: AM 21. SEPTEMBER WIRD ES LAUT Beschäftigte wehren sich gegen Kahlschlag

Die Beschäftigten der Autoindustrie leisten Widerstand gegen die Spar- und Verlagerungsfantasien ihrer Konzernbosse. Beim bundesweiten Aktionstag am 21. September werden sie ein deutliches Zeichen setzen: Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht durch Sparen, sondern durch Investitionen.

Die Beschäftigten der Autoindustrie leisten Widerstand gegen die Spar- und Verlagerungsfantasien ihrer Konzernbosse. Beim bundesweiten Aktionstag am 21. September werden sie ein deutliches Zeichen setzen: Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht durch Sparen, sondern durch Investitionen.

Deutschlands Autoindustrie an einem Wendepunkt: Die Beschäftigten sind nicht die Ursache der Krise

Die Debatte um die Milliardenverluste der Porsche SE ist kein Einzelfall. Sie steht stellvertretend für eine Entwicklung, die derzeit die gesamte deutsche Automobilindustrie erfasst. Bei Volkswagen, Audi, Porsche, Mercedes-Benz, BMW und zahlreichen Zulieferern werden Sparprogramme, Stellenabbau, Produktionsverlagerungen und Werksschließungen diskutiert oder bereits umgesetzt. Gleichzeitig wächst bei vielen Beschäftigten der Eindruck, dass sie für Fehler bezahlen sollen, die sie nicht verursacht haben. 

Nach Einschätzung der IG Metall liegt die Ursache der Krise nicht in zu hohen Löhnen oder angeblich mangelnder Leistungsbereitschaft der Beschäftigten. Vielmehr wurden wichtige technologische Entwicklungen über Jahre hinweg unterschätzt, Zukunftsinvestitionen verschleppt und strategische Fehlentscheidungen getroffen.

Die Krise ist nicht hausgemacht von den Beschäftigten – aber teilweise von den Vorständen

Während deutsche Hersteller jahrzehntelang als Innovationsführer galten, haben neue Wettbewerber insbesondere aus China und den USA in wichtigen Zukunftsbereichen aufgeholt oder sie sogar überholt. Vor allem bei:

  • Batterietechnologie
  • Fahrzeugsoftware
  • Digitalisierung
  • erschwinglichen Elektrofahrzeugen
  • digitalen Mobilitätsdiensten

wurden Entwicklungen oftmals zu spät erkannt oder nicht konsequent umgesetzt. Gleichzeitig konzentrierten sich viele Hersteller auf hochpreisige Premium- und Luxusstrategien, während günstige Volumenmodelle für breite Bevölkerungsschichten vernachlässigt wurden.

Besonders im chinesischen Markt zeigt sich diese Entwicklung deutlich. Während chinesische Hersteller ihre Marktanteile massiv ausbauen konnten, gingen die Gewinne deutscher Hersteller dort kontinuierlich zurück. Nach Angaben der IG Metall sanken beispielsweise die Gewinne der Volkswagen-Joint-Ventures in China von rund 4,6 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf nur noch etwa 950 Millionen Euro im Jahr 2025.

Rekordgewinne für Aktionäre – Sparprogramme für Beschäftigte?

Besonders kritisch betrachten viele Beschäftigte die Tatsache, dass den aktuellen Sparprogrammen Jahre außergewöhnlich hoher Gewinne vorausgingen.

Volkswagen erzielte 2023 einen Gewinn von rund 18 Milliarden Euro. BMW erwirtschaftete 2022 mehr als 18 Milliarden Euro Gewinn, Mercedes-Benz 2021 sogar 23,4 Milliarden Euro. Ein erheblicher Teil dieser Gewinne floss über Dividenden an Aktionäre und Eigentümerfamilien.

Nach Angaben der IG Metall erhielten die Familien Porsche und Piëch über ihre Beteiligungsstruktur seit 2021 durchschnittlich rund 1,8 Milliarden Euro Dividenden pro Jahr. Gleichzeitig sollen nun Beschäftigte auf Einkommen verzichten oder um ihre Arbeitsplätze bangen.

Diese Entwicklung wirft eine zentrale Frage auf:

Warum sollen Beschäftigte für die Folgen strategischer Fehlentscheidungen bezahlen, wenn in den erfolgreichen Jahren Milliarden an Anteilseigner ausgeschüttet wurden?

 

Das Märchen von den zu hohen Löhnen

Kaum ein Argument wird in Krisenzeiten häufiger vorgebracht als angeblich zu hohe Arbeitskosten.

Die Fakten sprechen jedoch eine andere Sprache.

Nach Angaben der IG Metall machten die Lohnkosten in der Automobilindustrie im Jahr 2025 lediglich rund 10,7 Prozent des Umsatzes aus. 2020 lag dieser Anteil noch bei 13,9 Prozent und ist damit sogar deutlich gesunken.

Zudem zählt Deutschland weiterhin zu den produktivsten Industriestandorten der Welt. Die hohe Produktivität deutscher Beschäftigter ist einer der wesentlichen Gründe dafür, dass die Automobilindustrie über Jahrzehnte international erfolgreich war.

Die Behauptung, die Krise sei vor allem eine Folge zu hoher Löhne, hält einer sachlichen Betrachtung daher nicht stand.

Wettbewerbsfähigkeit entsteht durch Innovation – nicht durch Kahlschlag

Der bundesweite Aktionstag der IG Metall am 21. September 2026 steht deshalb unter einer klaren Botschaft: „Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke.“ 

Die Beschäftigten setzen damit ein Zeichen gegen Verlagerungen, Standortabbau und die immer gleichen Sparprogramme. Die Kernforderung lautet:

Wettbewerbsfähigkeit entsteht durch Investitionen und Innovationen – nicht durch Personalabbau. 

Die IG Metall fordert deshalb:

  • Investitionen in deutsche Standorte
  • Investitionen in Forschung und Entwicklung
  • Investitionen in Batterietechnologie
  • Investitionen in Fahrzeugsoftware
  • Qualifizierung der Beschäftigten
  • Ausbau der Ausbildung
  • Sicherung industrieller Wertschöpfung in Europa
  • Schutz vor unfair subventionierter Konkurrenz aus Drittstaaten 

Europa braucht eine aktive Industriepolitik

Die Probleme der Branche können nicht allein in den Unternehmen gelöst werden.

Die IG Metall fordert daher einen industriepolitischen Kurswechsel:

  • einen wettbewerbsfähigen Industriestrompreis
  • den Ausbau der Ladeinfrastruktur
  • schnellere Genehmigungsprozesse
  • Investitionen in Batteriefertigung und Rohstoffsicherheit
  • europäische Local-Content-Regeln
  • stärkeren Schutz vor Wettbewerbsverzerrungen durch staatliche Subventionen außerhalb Europas. 

Gerade chinesische Hersteller profitieren teilweise von massiven staatlichen Unterstützungsmaßnahmen. Während die USA zunehmend auf Protektionismus setzen, müsse Europa seine industrielle Basis ebenfalls aktiver schützen und stärken.

Warum diese Entwicklung auch Duisburg betrifft

Die Automobilindustrie ist weit mehr als die großen Marken. An ihr hängen tausende Arbeitsplätze in der Stahlindustrie, Logistik, Maschinenbau, Zulieferindustrie, Handwerk und Dienstleistungen.

Gerade in NRW mit seinen industriellen Wertschöpfungsketten hätte ein weiterer Stellenabbau erhebliche Auswirkungen auf ganze Regionen. Jeder verlorene Industriearbeitsplatz zieht häufig weitere Arbeitsplatzverluste im Umfeld nach sich. 

Für die IG Metall Duisburg-Dinslaken ist deshalb klar:

Die Zukunft der Automobilindustrie entscheidet sich nicht an den Börsenkursen von Beteiligungsgesellschaften, sondern in den Entwicklungszentren, Produktionshallen und Werkstätten, in denen tagtäglich hunderttausende Beschäftigte den industriellen Erfolg dieses Landes sichern.

Porsche SE ist das Symptom – nicht die Ursache

Der Milliardenverlust der Porsche SE zeigt vor allem, dass Vermögenswerte an den Finanzmärkten an Wert verloren haben. Er belegt nicht, dass Beschäftigte zu teuer sind oder Standorte versagt haben. Er ist kein Beweis für mangelnde Leistungsfähigkeit der Belegschaften im Volkswagen-Konzern.

Gerade in einer Zeit des industriellen Umbruchs braucht Deutschland keine Managementstrategie nach dem Motto „Sparen um jeden Preis“, sondern eine aktive Industriepolitik, die Innovation, Wertschöpfung und gute Arbeit zusammenführt.

Wer den Verlust einer Holdinggesellschaft nutzt, um weiteren Druck auf Beschäftigte auszuüben, lenkt von den eigentlichen Herausforderungen ab:

  • fehlende Zukunftsinvestitionen,
  • verschärfter globaler Wettbewerb,
  • hohe Energiekosten,
  • technologische Rückstände,
  • und die Frage, wie Europa seine industrielle Basis sichern will. 

Die Antwort auf die Krise heißt nicht Verlagerung, Stellenabbau und Werksschließung. Die Antwort heißt Investition, Innovation und Mitbestimmung. Denn Zusammenhalt ist und bleibt die stärkste Marke der Beschäftigten.