IG Metall fordert Zukunftsdialog Beschäftigte brauchen Sicherheit und Investitionen

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau hat laut IG Metall seit 2024 fast 60.000 Arbeitsplätze verloren. Betriebsräte und IG Metall fordern deshalb einen dauerhaften Zukunftsdialog unter Führung des Bundeswirtschaftsministeriums.

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Auch für die Industrieregion Duisburg-Dinslaken und den Kreis Wesel ist die Frage entscheidend: Wo wird investiert, wo entstehen Innovationen und wie sichern wir gute Industriearbeit? Der Maschinen- und Anlagenbau gehört mit rund einer Million Beschäftigten zu den großen Industriebranchen Deutschlands. Die Branche leidet unter geopolitischen Spannungen, Zöllen, internationalem Wettbewerbsdruck und unzureichenden Investitionen.
 
 
  • Seit 2024 hat der deutsche Maschinen- und Anlagenbau fast 60.000 Arbeitsplätze verloren, so die IG Metall.
  • Rund 200 Betriebsrätinnen und Betriebsräte berieten auf der Maschinenbaukonferenz in Berlin über die Zukunft der Branche. 
  • Eine Forderung nach einem dauerhaften Zukunftsdialog mit Politik, Unternehmen, Gewerkschaft und Wissenschaft wurde mit 200 Unterschriften an das Bundeswirtschaftsministerium übergeben. 
  • Die IG Metall fordert insbesondere Investitionen und Innovationen, sichere Beschäftigung und Wertschöpfung sowie faire und nachhaltige Handelsbedingungen.
  • Für Betriebsräte geht es ganz konkret um Beschäftigungssicherung, Personalplanung, Qualifizierung, Digitalisierung und den Umgang mit möglichen Verlagerungen.
 

Eine Schlüsselbranche steckt in Schwierigkeiten

Wie ernst die Lage ist, zeigte auch die Maschinenbaukonferenz 2026 in Berlin. Betriebsrätinnen und Betriebsräte diskutierten dort gemeinsam mit Gewerkschaft, Wissenschaft und Politik, wie Arbeitsplätze, Standorte und industrielle Wertschöpfung gesichert werden können. Veranstaltet wurde die Konferenz von der Hans-Böckler-Stiftung zusammen mit der IG Metall.
 
Die Botschaft der Arbeitnehmervertretungen ist deutlich: Einzelne Betriebe können die strukturellen Herausforderungen nicht allein lösen.
 
Deshalb fordert die IG Metall einen dauerhaften „Zukunftsdialog Maschinen- und Anlagenbau“ unter Führung des Bundeswirtschaftsministeriums. Unternehmen, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik sollen gemeinsam Strategien für Innovationen, sichere Arbeit und eine nachhaltige Entwicklung der Standorte erarbeiten. 
 

Investitionsschwäche gefährdet Beschäftigung

Dabei geht es nicht allein um Zölle oder geopolitische Konflikte. Die Probleme liegen teilweise auch in den Unternehmen selbst.
 
Der IG-Metall-Trendmelder 2026 zeigt: Lediglich 24 Prozent der befragten Betriebsräte bewerteten die Investitionen in ihren Unternehmen als sehr gut oder eher gut. Nur 36 Prozent bewerteten die Höhe der Auftragseingänge entsprechend positiv. In 129 befragten Betrieben war zudem ein Arbeitsplatzverlust für mehr als 13.200 Menschen angekündigt. 
 
Das ist ein Warnsignal. Wer heute Investitionen, Forschung, Digitalisierung und Qualifizierung zurückfährt, riskiert morgen nicht nur Marktanteile, sondern auch Fachwissen und gute Arbeitsplätze.
 
Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Kerner, fordert deshalb eine gemeinsame industriepolitische Strategie. Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen müssten stärker als Innovationsnetzwerk zusammenarbeiten, während das Bundeswirtschaftsministerium eine aktive Führungsrolle übernehmen solle.
 

Vier Aufgaben für den Maschinenbau

 
Der von der IG Metall geforderte Zukunftsdialog soll vor allem vier Bereiche voranbringen:
 
  1. Wertschöpfung und Beschäftigung sichern: Lieferketten und industrielle Wertschöpfung in Deutschland und Europa stärken.
  2. Mehr investieren: Forschung, Entwicklung, Digitalisierung und neue Technologien müssen stärker vorangetrieben werden.
  3. Neue Märkte erschließen: Deutschland und Europa brauchen faire und nachhaltige Handelsbeziehungen.
  4. Transformation gemeinsam gestalten: Der industrielle Wandel muss Standorte und gute Beschäftigung sichern. 
Wenn Auftragseingänge zurückgehen und Unternehmen Investitionen aufschieben, steigt der Druck in den Betrieben. Kurzarbeit, Restrukturierungen, Personalabbau oder Verlagerungsdiskussionen können die Folge sein. Der IG-Metall-Trendmelder beschreibt bereits sinkende Beschäftigtenzahlen sowie teilweise ausgeschöpfte Instrumente wie Kurzarbeit und Arbeitszeitkonten. 
 
Aber Transformation darf nicht darauf reduziert werden, Arbeitsplätze abzubauen. Digitalisierung, Automatisierung, neue Produkte und neue Märkte verändern Tätigkeiten und Qualifikationsanforderungen. Entscheidend ist deshalb, dass Unternehmen frühzeitig investieren und qualifizieren, statt erst zu reagieren, wenn Geschäftsmodelle unter Druck geraten.
 

Unsere Position: Zukunft entsteht nicht durch Personalabbau

Für die IG Metall ist klar: Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung gehören zusammen.
 
Eine nachhaltige Strategie für den Maschinenbau braucht:
 
  • Investitionen in moderne Produkte und Produktionsanlagen,
  • Forschung, Entwicklung und Digitalisierung,
  • Qualifizierung der Beschäftigten,
  • ausreichend Ausbildungsplätze und Übernahme,
  • Tarifbindung und gute Arbeitsbedingungen,
  • verbindliche Beschäftigungs- und Standortsicherung,
  • sowie eine frühzeitige und wirkungsvolle Beteiligung der Betriebsräte.
Das ist auch eine Frage politischer Verantwortung. Der Strukturwandel darf nicht allein über Kostensenkung und Beschäftigungsabbau organisiert werden.
 

 Industriepolitik wird vor Ort konkret

Für unsere Region ist diese Debatte besonders relevant. Duisburg und der Niederrhein sind Teil einer industriell geprägten Wirtschaftsregion. Entscheidungen über industrielle Investitionen, neue Technologien und Wertschöpfungsketten wirken deshalb nicht abstrakt. Sie entscheiden mit darüber, welche Arbeit in unserer Region morgen noch stattfindet.
 
Der Handlungsauftrag ist klar: Zukunftsfähige Betriebe brauchen Investitionen, Fachkräfte und Mitbestimmung. Wertschöpfung sollte dort weiterentwickelt werden, wo über Jahrzehnte industrielles Know-how entstanden ist.