Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt – auch in der Industrie- und Stahlregion Duisburg. Eine neue bundesweite Betriebsrätebefragung der IG Metall zeigt: Der konjunkturelle Aufschwung lässt auf sich warten, während Betriebe unter Energiepreisen, Unsicherheit und fehlender strategischer Ausrichtung leiden.
Vor allem die Stahlindustrie, der Maschinenbau und der Fahrzeugbau stecken tief im Umbruch. Doch statt entschlossen zu handeln, verharren viele Unternehmen im Stillstand. IG Metall-Chefin Christiane Benner bringt es auf den Punkt:
„Die Industrie bewegt sich wie auf Kleister Richtung Besserung. Die Unternehmen müssen raus aus dem Jammertal und umsetzen!“
Laut Befragung bewerten 47 % der Betriebe die wirtschaftliche Perspektive für die kommenden Monate als schlecht oder sehr schlecht. Fast jeder fünfte Betrieb meldet weiterhin Kurzarbeit. Besonders betroffen: die metallverarbeitende Industrie und der Stahlsektor – auch in Duisburg ein zentrales Thema.
Unternehmen ohne Plan – Politik ohne Tempo
Für die IG Metall ist klar: Die Politik muss liefern – mit bezahlbarem Strom, echten Industriehilfen und strategischem Rückhalt. Doch auch die Unternehmen stehen in der Pflicht.
„Keine Strategie, kein Verständnis für neue Geschäftsmodelle – das ist enttäuschend“, kritisiert Benner. Gerade einmal 45 % der betroffenen Betriebe haben überhaupt eine Transformationsstrategie. Nur 38 % binden ihre Betriebsräte aktiv ein, wenn es um Zukunftsfragen geht.
In einer Region wie Duisburg, in der tausende Beschäftigte auf die Transformation der Industrie angewiesen sind, ist das ein Alarmsignal. Standorte lassen sich nicht durch Abwarten sichern, sondern durch vorausschauende Investitionen – in Innovation, Beteiligung und Ausbildung.
Zukunft geht – wenn man will
Einige Betriebe gehen voran: Ein Drittel hat bereits klimafreundliche Produkte und Dienstleistungen im Portfolio, ein Fünftel plant konkrete Schritte. Besonders erfolgreich: Unternehmen in der Schienen-, Luft- und Schifffahrtstechnik sowie der Elektrotechnik. In der Stahlindustrie jedoch sehen nur 19 % der Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsstrategien bisher als wirtschaftlich rentabel an.
Benner mahnt:
„Wir müssen rein in die Zukunftsfelder – Kreislaufwirtschaft, Batterien, Recycling, KI. Die Möglichkeiten sind da. Jetzt braucht es Mut und Tempo.“
Kurzarbeit als Brücke – und Druck aufbauen
Die IG Metall fordert klare politische Rahmenbedingungen, den Erhalt von Unterstützungsinstrumenten wie Kurzarbeit und mehr Investitionen in nachhaltige Industriezweige. Für Duisburg gilt: Wer jetzt auf Stillstand setzt, verspielt die Zukunft eines ganzen Industriereviers.
Die Zahlen zeigen: Veränderung ist nötig – und möglich. Doch sie gelingt nur mit strategisch denkenden Unternehmen, aktiver Betriebsratsbeteiligung und einer Politik, die Industriepolitik wieder ernst nimmt.