Die EU-Kommission hat auf die angespannte Lage der Automobilindustrie mit einem umfassenden Maßnahmenpaket reagiert. Aus Sicht der IG Metall enthalten die Vorschläge viele Punkte, die wir in den vergangenen Monaten eingefordert haben – insbesondere die Verbindung von Klimazielen mit mehr Flexibilität bei den Antriebsformen.
Grundsätzlich ist das der richtige Weg. Klar ist aber auch: Die neuen Spielräume dürfen nicht dazu führen, dass notwendige Entscheidungen weiter aufgeschoben werden.
Mehr Flexibilität – aber mit klarer Priorität
Mit der Überarbeitung der CO₂-Regulierung erhalten Hersteller und Zulieferer zusätzliche Möglichkeiten. Diese müssen jetzt vor allem einem Ziel dienen: Beschäftigung und Standorte zu sichern.
Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, bringt es deutlich auf den Punkt:
„Es liegt eine klare Idee auf dem Tisch, wie es ab 2035 weitergehen soll. Alles, was jetzt folgt, muss Arbeitsplätze sichern und industrielle Strukturen stärken – gerade bei den Zulieferern. Es gibt jetzt keine Ausreden mehr!“
Die Industrie hatte das Zieljahr 2035 lange als Bremse kritisiert. Jetzt, da mehr Flexibilität geschaffen wurde, erwartet die IG Metall, dass die Unternehmen mit klarem Kurs und Tempo handeln – insbesondere auf dem Weg zur Elektromobilität.
Transformation gestalten statt aussitzen
Positiv bewertet die IG Metall, dass Antriebe mit verbrennungsmotorischen Anteilen länger möglich bleiben. Das schafft Zeit, um Beschäftigungswandel gemeinsam mit Betriebsräten und Gewerkschaften sozialverträglich zu gestalten. Gleichzeitig bleiben die Klimaziele bestehen – sie sollen lediglich auf anderen Wegen erreicht werden.
Dazu gehören unter anderem:
- längere Nutzung von Hybridantrieben
- Förderung europäischer Batterieproduktion
- Local-Content-Kriterien
- Quoten für grünen Stahl
- stärkere Orientierung auf kleine, bezahlbare Fahrzeuge
Das Weiterlaufen von Verbrennungsmotoren ist jedoch an klare Bedingungen geknüpft: Zusätzliche CO₂-Emissionen müssen etwa durch grünen Stahl, fortschrittliche Biokraftstoffe oder E-Fuels ausgeglichen werden. Das verbindet Klimaschutz mit moderner Industriepolitik.
Elektromobilität bleibt der Kern
Trotz aller Flexibilisierung bleibt eines eindeutig: Die Elektromobilität ist und bleibt der zentrale Pfad. Zurücklehnen ist keine Option. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie entscheidet darüber, ob Arbeitsplätze an den Standorten erhalten bleiben.
Die IG Metall macht klar: Zukunftsfähigkeit entsteht durch Innovation, neue Geschäftsmodelle und Investitionen – nicht durch Abwarten. Die Transformation geht weiter, und sie wird nur dann gelingen, wenn Industrie und Politik jetzt konsequent handeln.
Politik weiter gefordert
Auch die Politik bleibt in der Verantwortung. Die stärkere Förderung der Wertschöpfungsketten der Elektromobilität ist ein wichtiges Signal. Gleichzeitig kritisiert die IG Metall die bislang unzureichende finanzielle Ausstattung insbesondere im Bereich der Batterieförderung. Hier müssen die Mitgliedsstaaten nachlegen und nationale Förderinstrumente nutzen.
Von zentraler Bedeutung sind zudem die geplanten Local-Content-Kriterien – etwa bei Firmenflotten, neuen E-Kleinwagen und der Batterieförderung. Sie sind ein notwendiger Baustein für eine Industriepolitik, die Arbeitsplätze in Europa sichert. Jetzt kommt es darauf an, diese Kriterien konkret und verbindlich auszugestalten.
Fazit:
Die Richtung stimmt. Jetzt ist die Automobilindustrie am Zug. Die Spielräume sind da – Arbeitsplatzsicherung muss daraus folgen.